Veranstaltungskalender veröffentlicht!

Endlich haben wir unseren Veranstaltungskalender. Er ist gestern druckfrisch eingetroffen und liegt für Euch im “Antiquariat Prometheus” bereit zur Abholung.

Titel veranstaltungskalender

Mit unseren Veranstaltungen greifen wir in den öffentlichen Diskurs in Wilhelmshaven ein. Er steht alternativ zu den von den Ratsparteien, Stadtverwaltung und Bundeswehr-Historikern “offiziellen” Veranstaltungen und Kundgebungen, welche die Novemberrevolution verballhornen, indem sie ihre Ziele verdrehen und sich heute hinstellen und ihr die “Ehre” zuteil werden lassen, sie sei als Geburtsstunde unserer heutigen Demokratie zu verstehen. Denn es ist wahr, diese Revolution und ihre Revolutionäre waren weder gewünscht von Militär noch SPD und wurden  mit Waffengewalt rücksichtslos niederkartätschelt.

Somit: Weil sie Unvollendet blieb und ihr Forderungen auch heute noch aktuell sind, kommt zahlreich und schaut;) “Alles lernen, nichts vergessen! – Karl Liebknecht”

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Die unvollendete Revolution

Im November jährt sich zum 100. Mal die Erhebung, die das Deutsche Kaiserreich zum Einsturz brachte. Eine Erklärung zum 9. November 1918

Am 16.07.2018 druckte die Tageszeitung “junge Welt” folgende Erklärung ab. In diesem richten sich Gewerkschafter an die Bevölkerung. Wir veröffentlichen in hier, in der Hoffnung das er auch die Gewerkschaften in WHV erreicht.

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(Aktion vor der Fregatte Hamburg auf dem diesjährigen Wochenende an der Jade)

Im Herbst dieses Jahres und im nächsten Jahr wird es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema »100 Jahre Revolution 1918/19« geben. An die Novemberrevolution und ihre Folgen wird in der Bundesrepublik bisher viel zuwenig erinnert. Die Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner der folgenden Erklärung halten es für dringend geboten, dass in den Gewerkschaften und darüber hinaus das eigene Erbe endlich angemessen gewürdigt wird.

Nach dem bewaffneten Aufstand der Matrosen 1918 in Kiel sprang der Funke der Revolution auf Hamburg und Bremen über, auf alle wichtigen Städte und industriellen Gebiete Deutschlands. Am 9. November strömten auch die abhängig Beschäftigten Berlins zum Generalstreik auf die Straße und besetzten die Kraftwerke, das Polizeipräsidium, das Telegrafenamt und das Reichstagsgebäude.

Für die Koordination »100 Jahre Novemberrevolution« Frieder Böhne, Benedikt Hopmann, Peter Wegner

1. Geburtsstunde der Republik

Sie erkämpften das Ende des Krieges. Sie erkämpften die Menschenrechte: das Wahlrecht für Frauen, die Pressefreiheit, das Recht, die Meinung frei zu äußern, die Anerkennung der Gewerkschaften, die in der Verfassung garantierte Koalitionsfreiheit. Sie erkämpften den Achtstundentag, das Tarifvertragsrecht und die schrittweise Abschaffung der privaten Arbeitsvermittlung einschließlich des Verbots der Leiharbeit. Sie erkämpften die Republik.

2. Revolution und Gegenrevolution

Der Kampf der Rätebewegung für eine andere, gerechtere Gesellschaft und ihre blutige Niederschlagung wurden bis heute nicht vollständig aufgearbeitet. Nach dem offiziellen Geschichtsbild war es zur Einführung der parlamentarischen Demokratie mehr oder weniger notwendig gewesen, die Revolution mit weitergehenden Forderungen, wie die der Unterdrückung des Militarismus, der Sozialisierung großen Kapitals und durchgreifender Demokratisierung auch in den Betrieben, brutal niederzuschlagen.

Wir sehen das anders. Gerade weil die Novemberrevolution eine unvollendete Revolution blieb, war die Republik von Anfang an in Gefahr, von ihren Gegnern zerstört zu werden. Die Freikorps, die die Revolution mit bestialischer Brutalität niederschlugen und allein in Berlin über tausend nur dürftig bewaffnete Revolutionäre mit schwerer Artillerie, Flammen-, Minenwerfern und bei Fliegerangriffen ermordeten, bildeten bald eine Säule der Nazibewegung.

Die Revolutionäre von 1918 waren kein kleines Häufchen von Krawallmachern, die die Diktatur einer Minderheit über eine Mehrheit anstrebten, es handelte sich vielmehr um eine breite Massenbewegung mit dem Ziel, die Ausbeutung abzuschaffen und alle Menschen am gesellschaftlichen Reichtum zu beteiligen. Nicht zuletzt war es eine gigantische Massenbewegung, die für alle Zeiten Schluss machen wollte mit Militär und Massensterben.

In jedem Dorf wird der Toten des Ersten Weltkrieges gedacht. Wer erinnert aber an diejenigen, die diesen Krieg beendeten? Die Revolutionäre von 1918/19 waren Himmelsstürmer. Tausende sind ermordet worden. An jeden einzelnen von ihnen sollte erinnert werden. Ihre beste Würdigung ist der Einsatz für die Ziele dieser unvollendeten Revolution: Demokratie auch in den Betrieben und das Ende von Ausbeutung, Militarismus und Krieg.

3. Pogromnacht 9. November 1938

Wir glauben nicht, dass die jährliche Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938 am 9. November die Erinnerung an die Revolution von 1918/19 am selben Tag ausschließt. Im Gegenteil: Wer angemessen an die Judenpogrome erinnern will, muss an die Zerstörung der Republik 1933 erinnern, die schon mit der blutigen Niederschlagung der Revolution 1918/19 begann. Die Machtübergabe an Hitler 1933 war die Vollendung der Gegenrevolution, völker- und massenmörderische Menschheitsverbrechen waren die Folge und der Antisemitismus von Beginn an Teil des konterrevolutionären Programms. 1933 waren die Gegenkräfte auch des Antisemitismus niedergeworfen, 1938 die Gewerkschaften und Arbeiterparteien längst verboten, alle demokratischen Rechte längst beseitigt. Continue reading “Die unvollendete Revolution”

Trotz alledem!

Aufruf zur Schaffung Temporärer / Mobiler Denkmäler zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution im Herbst 2018

Anläßlich des 100. Jahrestags der Novemberrevolution gibt es an verschiedenen Orten Initiativen, die an die damaligen Ereignisse erinnern und zugleich das Bewußtsein für aktuelle Probleme wie Kapitalismus und Militarismus schärfen wollen. Des weiteren sind von Seiten des Staates und offizieller Kultureinrichtungen allerlei Veranstaltungen zum gleichen Anlaß geplant oder bereits im Gange, so etwa in Kiel oder in Wilhelmshaven. Der Tenor dort lautet: Die Novemberrevolution sei als Meilenstein auf dem Weg zu unserer heutigen Demokratie zu betrachten. In dem Rahmen sollen sogar neue Denkmäler entstehen. Wir meinen, dass es sich dabei um Versuche staatlicherseits handelt, das Gedenken zu vereinnahmen, wobei und indem die antikapitalistischen, antimilitaristischen und radikaldemokratischen Ziele vieler RevolutionärInnen von 1918 unterschlagen oder verballhornt werden.

Der Arbeitskreis „Novemberrevolution Wilhelmshaven“ wird im Laufe dieses Jahres eine Reihe von Veranstaltungen zu unterschiedlichen Aspekten des Themas machen. Aus uns heraus, weil wir es richtig finden, aber auch im Sinne eines kritischen Kommentars zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen, schlagen wir zudem die Schaffung Temporärer (Gegen-)Denkmäler für die RevolutionärInnen von 1918 oder anderer Interventionen im öffentlichen Raum vor.

Als Denkmal gilt gemeinhin eine plastische Darstellung, die im Normalfall als dauerhaftes Monument errichtet wird. Temporäre Denkmäler, also solche, die nur zeitweise bestehen oder sogar mobil sind, gibt es z.B. seit den 1980er Jahren im Bereich des Gedenkens an den Nationalsozialismus. Continue reading “Trotz alledem!”

“Diese Republik ist nicht die meine”

In allen Teilen Deutschlands – In allen? Auch in Bayern? – laufen die Vorbereitungen zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution. Vor Jahren noch beschämt verschwiegen oder reaktionär gedeutet, erleben wir heuer offizöses Jubeln, anbetracht der “Geburtsstunde der deutschen Demokratie”. Wir wollen nicht böser sein als die Zeitgenossen von damals, jene welche die Finger in die Wunden und die Geburtsfehler offen darlegten und veröffentlichen hier aus einem Brief vom 13. Oktober 1926.

Kurt Tucholsky an einem “Weltbühne”-Leser:

“Diese Republik ist nicht die meine. Ich verachte die Verfassung dieser Republik nicht – ich verachte aber jene, die da glauben, dieser Lappen Papier würde irgendwo in Deutschland auch nur annähernd befolgt. In Wahrheit ist diese Verfassung weniger als eine Polizeiverordnung – sie hat den praktischen Wert einer moralischen, rein abstrakt gebliebenen Vorschrift, durchdringt aber nirgends Judikative, Verwaltung, Exekutive …
Hat der Deutsche seine sogenannten verfassungsmäßig begründeten Rechte wirklich? Continue reading ““Diese Republik ist nicht die meine””

Novemberrevolution am 1.Mai

 

Mitglieder des Arbeitskreises waren selbstverständlich beim 1.Mai mit dabei. Im Rahmen des DGB-Festes kamen verschiedene Initiativen zu Wort. Auf dem roten Sofa stellte Marc Galwas (3. von rechts) die Vorhaben und das Selbstverständnis des Arbeitskreises vor.

Ebert, der Verräter aus Überzeugung

Vom 16.02. bis zum 30.03.18 fand in den Räumlichkeiten der Volkshochschule eine Ausstellung zum ersten Reichspräsidenen Friedrich Ebert statt. Titel der Ausstellung “Vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten”. Nun war Ebert nicht bei allen beliebt, und so gar nicht bei den Revolutionären von 1918/19. So haben wir gesucht und auch gefunden: Zum Dahinscheiden dieses “Großen Deutschen” im Jahre 1925 hatte Karl Radek in der Weltbühne folgenden Artikel veröffentlicht:

aus „Weltbühne“, 10. März 1925 / XXI. Jahrgang, Nummer 10

Ebert, der Verräter aus Überzeugung
von Karl Radek

Mit Ebert ist die charakteristische Persönlichkeit im Lager der deutschen Sozialdemokratie dahingegangen, der Mensch, von dem man ohne Übertreibung sagen kann, daß er der Steuermann des Schiffes dieser einst großen Arbeiterpartei war, als es die Fahrt in das Meer der Bourgeoisie antrat. Man hat die Politik der deutschen Sozialdemokratie während des Krieges Scheidemann-Politik genannt. Aber Scheidemann war nur die Fahne, die an den Mast des Schiffes flatterte. Wenn irgendwer diese Politik bestimmte, dann war es Fritz Ebert. Seine Biographie ist daher in demselben Maße die Geschichte des Sturzes der deutschen Sozialdemokratie, wie Bebels Biographie die Geschichte ihres Aufstieges ist.
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Für eine Welt ohne kapitalistische Ausbeutung, Unterdrückung und imperialistische Kriege!

Im Anschluss einer Gedenkversammlung für die Kämpfer der November-Revolution Ende 2017 auf dem Ehrenfriedhof in Wilhelmshaven, hat sich ein Arbeitskreis zur Vorbereitung deren 100. Jahrestages gegründet. Linke Personen aus verschiedenen Parteien und Organisationen und Einzelpersonen arbeiten seither zusammen, mit dem Ziel, die Geschichte der Revolution in Wilhelmshaven wahrheitsgetreu aufzuarbeiten und die Lehren der Revolution wach zu halten.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, uns mit den historischen Verhältnissen in Wilhelmshaven, die zur Revolution führten, auseinanderzusetzen. Wir wollen dabei darstellen, welche Ziele die Arbeiter und Soldaten damals verfolgten und welche politischen Kräfte der Revolution entgegenstanden. Kurz gesagt: Wer ein Interesse an der Verlängerung des Krieges hatte, wer den Krieg beendete und was auf das Kaiserreich folgen sollte.
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